Ganz so simpel, wie Frontmann H.P. Baxxter den Erfolgsweg der Band beschreibt, war es naturlich nicht. Scooter haben hart an ihrer Karriere gearbeitet, und – das darf man nicht vergessen – sind mittlerweile uber zehn Jahre im Geschaft. Aus dem ehemaligen Techno-Trio, welches sich mit „Hyper Hyper“ den Weg durch die Diskotheken bahnte, hat sich eine ernst zu nehmende Band entwickelt, die mittlerweile Hallen mit 80.000 Menschen fullt, uber zehn Millionen Tontrager verkauft hat und deren Liste an Goldenen und Platin Schallplatten schier endlos zu sein scheint.
Ob das jemand gedacht hatte, als sich 1994 die Band in ihrer Originalbesetzung zusammenfand? H.P. Baxxter, Rick J. Jordan, Ferris Bueller und nicht zuletzt Manager und Labelchef Jens Thele fingen klein an: Mit ihrem Erstlingswerk „Hyper Hyper“ sturmte das Trio aus dem Nichts in die Charts – und wurden sogleich als One-Hit-Wonder abgestempelt. Doch da hatten die Kritiker und Schreiberlinge die Rechnung ohne die Wirte gemacht. Es wurde frohlich weiter eingeschenkt, es folgten Hits wie „Move Your Ass“, „Friends“, „Endless Summer“ und „Back In The UK“, alle nicht minder erfolgreich. Wer nun vermutet, Scooter hatten verbissen an ihren ersten Erfolg anknupfen wollen, der irrt. Der Spa? war und ist der Motor fur das Trio, wiegt bei weitem mehr als Erfolgsdruck und eigene Erwartungshaltungen.
So lasst sich auch das Phanomen erklaren, dass sich Scooter zu fast jeder Single neu zu erfinden scheinen. Mit einer unglaubliche Kreativitat und einer gesunden Portion Witz und Ironie werfen H.P., Rick und Ferris immer wieder Stile durcheinander, die im Musikhandbuch weit von einander entfernt zu finden sind. So entstehen elektronische Balladen, 80er Jahre angehauchte Elektro-Tracks, melancholische Songs wie „No Fate“ oder „She’s The Sun“, oder das legendare Techno-Rock-Monster „Fire“ (1997), bei dem bis heute H.P.s „Flying V“-Gitarre auf der Buhne in Flammen aufgeht. Das spurten wohl auch der neue Mann Axel Coon deutlich, der 1997 Ferris Buellers Platz einnahm sowie Jay Frog, sein Nachfolger, der bis heute fest zum Trio gehort.
Mittlerweile gibt es eine feste Aufgabenverteilung in der Band: H.P. schreibt bis heute zu 100% die Songtexte, wahrend Rick und Jay im Studio mit den Playbacks beschaftigt sind. Damit Scooter auch im Club stattfinden, hat Jay den Part des Djs ubernommen, mixt zusatzlich noch alle zwei Wochen die Kontor Radio Show. Jens Thele, der Mann im Hintergrund, zeichnet sich verantwortlich fur alles Organisatorische, Logistische. Er ist es auch, der es schafft, dass die Band sich nach internen Unstimmigkeiten immer wieder zusammenrauft.
Hatte es diese Verteilung nicht gegeben, waren Scooter hochstwahrscheinlich nicht da, wo sie heute sind. 28 Singles und dreizehn Alben zeigen deutlich, dass Scooter viel mehr sind als ein Projekt. Das mussen sich mittlerweile wohl auch die Kritiker und Zweifler eingestehen.
Mit ihrer neuen Single „Shake That!“ haben Scooter einmal mehr einen mutigen Schritt gewagt, prasentieren H.P.s Shouts in einem pumpenden Disco House-Gewand. Und soviel Mut soll auch diesmal wieder belohnt werden: „Shake That!“ entert die Charts auf Platz #8 - ubrigens der siebte Top-Ten-Entry in Folge!
Nun stehen Scooter vor ihrem vierzehnten Album. „Mind The Gap“ ist in diesem Falle wortlich gemeint – es gibt viele Neuerungen zu entdecken: Der Longplayer wird erstmals in drei verschiedenen Preiskategorien im Handel stehen. Neben der Basic-Version, welche nur den reinen Tontrager enthalt (9,99 EUR), gibt es auch eine Basic Version mit Booklet, Bonustracks, Video, Making Of, Fotos und Interview sowie eine Deluxe-Ausgabe. Letztere enthalt alle Features der Regular sowie eine Bonus-CD mit elf Live Tracks aus der „We Like It Loud Tour 2004“.